FASLAM in Stöckte 2012

Im Karneval am Rhein, gibt es seit 1635 – den Schlachtruf: Kölle Alaaf und Helau in Mainz. Es bedeutet = Lebensgefühl, Lob und Trinkspruch.
Der Ruf „Faslam/Faslom” ertönt in den Heide– und Elbdörfern in der Fasnacht. Ursprung war früher die Wintersonnenwende. Die Mägde und Knechte zogen mit viel Radau, in bunter Verkleidung von Hof zu Hof, um den Winter zu vertreiben und dann einen Obulus dafür zu bekommen.

Am 19.02.2012 machte sich die Musikvereinigung Tostedt auf den Weg, um wieder am Stöckter Faslam teilzunehmen. Dem kalten, nassen Wetter entsprechend angezogen, standen wir um 11:30 Uhr dort am Querweg bereit. Ganze Gruppen im gleichen bunten Outfit gingen zu ihren Themenwagen, diese waren mit großem Arbeitsaufwand, ganz toll aufgebaut und vielen aktuellen Themen gewidmet.

Unsere Musiker stimmten schon mal ihre Instrumente ein, wir bekamen unseren Platz zugewiesen und warteten auf den Start.

Ingo hatte einen tollen „Bollerwagen” gebaut, mit praktischem Deckel, der sich auch zum Tisch ausklappen ließ. Darin konnten wir unsere mitgebrachten Sachen verstauen. Der Wagen lief auf guten Gummireifen und zum Ziehen gab es den stabilen Griff aus Metall, mit genügend Platz für je eine behandschuhte Hand. Alles war gut durchdacht, um es den „Eseln” leichter zu machen, diese scharrten schon mit den Füßen.

Nun ging es aber wirklich los. Die schweren Wagen mit ihren hohen Aufbauten, schwenkten auf den Deich ein. Es sah so aus, als ob die riesigen Bäume auf der rechten Seite, extra dafür einen Ausschnitt der Zweige bekommen haben, damit die hohen Wagen hindurch passten. Vor den Häusern standen überall die Menschen um ihren Ruf „Faslam” loszubrüllen. Die Kinder hatten drollig angemalte Gesichter und bunte Kostüme an. Sie bückten sich nach den „Karamellen”, die von den Wagen herab geworfen wurden.
Es ging die Hoopter Straße und Deichstraße entlang. Überall das gleiche bunte Bild der Menschen am Straßenrand und dazu der Faslam Schrei,der ständig ertönte.
Der Umzug wurde von der Garde angeführt. Faslamsvadder und Faslamsmudder, saßen in der rot/weiß geschmückten Kutsche.
Es gab 18 bunte Themenwagen aus Stöckte und 5 Gastwagen aus (Hoopte, Laßrönne, Pattensen, Hanstedt) alle Wagen waren in mühseliger Arbeit gebaut worden.
Der Wagen „Stöckter Drachen” mit den grün/lila Kostümen, war farblich ein schöner Anblick. Die Drachen liefen und tanzten um ihren Wagen herum. Es gab den Wagen „125 Jahre Coca Cola” alle in roten Tonnen Kostümen mit der weißen Aufschrift. 100 Jahre Titanic (halb versunken) folgte. Die moderne Hit Musik auf den Wagen war teilweise erschlagend.

Unsere Spielleute boten während des Umzuges ihre guten und bekannten Musikstücke – alles Life! Karsten rief ihnen mit anfeuernd, erhobenen Händen zu: „Das war ... Spitze!!!”, worauf alle wieder „Faslam” riefen. Die Zuschauer klatschten in die Hände und drehten sich dazu, natürlich mit ihrem Urschrei „Faslam”. Unsere Jüngsten, versuchten im Gleichschritt mit zu kommen. Joshua schlug die kleinen Becken (später machten beide Jonas nach im Takt der Musik).

In Winsen befanden sich die Zuschauer in dichten Reihen am Straßenrand, sie schunkelten und sangen. Auf den Balkonen, mit bester Sicht, schunkelten ebenfalls die Leute und freuten sich. In der Markstraße standen zwei Frauen, die die Züge begutachteten und eine Liste führten. Sie sagten zu uns „ihr bekommt 20 Punkte für die Musik”. Der Themenwagen „Arche – Tierische Reise zum Nordpool” – weil nur noch dort Leben möglich ist – war mit vielen Personen in Tierkostümen ausgestattet, sehr toll!

Zum Thema Wulff, gab es den „BILD dir deinen Wulff – Wildwest in Berlin” Wagen. So gab es viele prächtige Wagen, die umjubelt wurden.
Es sollen 24.000 Menschen dort gefeiert haben. Der Ruf „Faslam” ertönte ständig. Herbert rief auch mal „Schützenfest” dazwischen und hatte die Lacher auf seiner Seite. Norbert hatte sein rotes Spielmannszugkäppi aus Kinderjahren hervor geholt und trug es voll Stolz.
 

Unser Wagen war zwischenzeitlich mit unseren Jüngsten aus der Musikvereinigung besetzt, sie hockten auf der Platte und ließen sich „willig” ziehen. Es war eben doch ein langer, ermüdender Weg, zumal Wind und etwas Regen uns zusetzte. Doch ebenso kam die Sonne hervor, als wir durch Winsen liefen, sie erwärmte uns angenehm.
Weit vor uns gab es einen Wagen mit einer kleinen Blaskapelle, sonst hörte man überwiegend die sehr laute Disco Musik auf den Wagen. Ein mit blauem Überwurf gekleideter Spielmannszug spielte ebenfalls bekannte Weisen. Zwischen den Wagen befanden sich die vielen, lebhaften Fußgruppen in ihren herrlichen Kostümen.
Die Erbauer aller Themenwagen hatten sich alle sehr viel Mühe gegeben, zu allen aktuellen Themen, das Richtige zu bauen. Die Stimmung war ansteckend, es gab immer etwas zu lachen und sich die Falslam Rufe um die Ohren zu knallen.

Jetzt kam der Moment, den unsere Mägen inzwischen herbeigesehnt hatten. Wir machten Halt an einer gut geschützten, überdachten Stelle. Die Premiere des ausklappbaren Tisches konnten wir nun durchführen. Astrid hatte für frische Brötchen Wurst und Käse gesorgt, Christine hatte leckere Frikadellen. Anne–Liese Kuchen gebacken. Heißer Kakao, Kaffee und „harmlos” Punsch, wärmten uns angenehm wieder auf. Diese Rast tat uns allen gut. Unser Marketenderwagen hatte sich auf jeden Fall gut bewährt!
Nun hatten wir auch noch ein anderes Bedürfnis und suchten dazu in einem Bistro ein WC auf. Es gab dort nur je eine Toilette für Damen und Herren. Also wollten wir auch das Herren WC nutzen. Als deren Tür endlich aufging, staunten wir nicht schlecht, drei Frauen und zwei Kinder kamen aus dem engen Kabuff. Da mussten wir doch lachen. Mir fiel dazu ein, dass es vor Jahren den Versuch gab, wie viele Menschen in eine Telefonzelle passen – 12–16 war die Antwort und wurde bewiesen.
Nachdem wir uns alle gestärkt fühlten, ging es zurück nach Stöckte, wir gliederten uns wieder zwischen den Wagen ein. Unsere Musiker spielten fleißig Stück um Stück. Den Menschen am Straßenrand machte es viel Freude. Einmal drehte ich mich um und schaute nach hinten, von unserem „Packwagen” war nichts zu sehen und auch nicht von deren Begleitern.

Es hatte eine Panne gegeben, ein Rad einen Plattfuß bekommen und so konnte damit nicht weiter gefahren werden. Schnell wurde das Problem mit Hilfe der Männer gelöst. Wagen, Gepäck und Personen aufgesammelt und zum Endpunkt gebracht, wo inzwischen auch alle Autos von uns standen für die Rückfahrt. Wir anderen standen schon dort am Gasthaus Sievers und hatten auf die Nachzügler gewartet. Ich schaute rüber zum Stöckter Hafen, während noch einige Prunkwagen vorbei zogen.
Wir haben dann den restlichen Kuchen vertilgt, bevor sich jeder wieder auf den Weg nach Tostedt machte.

F A S L A M – Nun bin ich auch dabei gewesen, hatte viel Spaß, neue Eindrücke, jede Menge gesehen und dazu gelernt.
Es war wieder eine lustige, frohe Gemeinschaft!
Der große körperliche Einsatz zeigte noch kleine Nachwehen, die sicher jeder von Euch gespürt hat!

Bleibt wohlauf – Tolle Faslamsgrüße

Eure Anne–Liese – 23. Februar 2012